Barbara Rütting


Sie ist schon immer ihren eigenen Weg gegangen. Als Frau mit vielen Gesichtern gelang Barbara Rütting in der Nachkriegszeit eine rasante Filmkarriere: In Deutschland schaffte sie 1956 ihren großen Durchbruch in der Rolle der „Geierwally“, später drehte sie in Hollywood mit Stars wie Kirk Douglas oder Sophia Loren. Doch Anfang der 80er Jahre hängt sie plötzlich ihren Beruf an den Nagel – und engagiert sich fortan für den Tier- und Umweltschutz sowie in der Frauenbewegung. 2003, mit 75 Jahren, zieht sie für die Grünen in den Bayerischen Landtag ein, dem sie heute als Alterspräsidentin vorsteht. Jetzt, wenige Tage vor ihrem 80. Geburtstag, blickt Barbara Rütting bei „Beckmann“ auf die Wendungen und Brüche in ihrem Leben zurück. Sie spricht über ihre Suche nach Sinn und Erfüllung und verrät, warum sie immer die Falschen geliebt hat und als Single heute glücklicher denn je ist.

Für das Ende ihrer Schauspielkarriere hat sich Barbara Rütting 1982 ganz bewusst entschieden. „Ich habe gemerkt, dieser Beruf macht mich kaputt. Meine Seele nimmt Schaden – ich kann es wirklich nur so ausdrücken. Ich bin eigentlich keine Schauspielerin, sondern ‚Schauleberin’ gewesen. Ich habe diese Rollen dermaßen gelebt, zum Beispiel 250 Mal die ehrbare Dirne: Jeden Abend habe ich habe mir aus voller Kraft eine Ohrfeige geben lassen, weil ich dann so gut weinen konnte. Und ich bin dermaßen in Hysterie hineingeraten, dass ich draufgegangen wäre.“

Obwohl sie zu den begehrtesten Stars des deutschen Nachkriegskinos zählte, fühlte Rütting sich oft alleine. „Ich war immer einsam: Ich war als Kind einsam, als Schauspielerin einsam und ich bin jetzt einsam. Aber ich akzeptiere den Zustand“, fügt sie hinzu. „Ich versuche nicht, irgendetwas zu ändern. Es ist gut so wie es ist.“

Ihren Traummann hat die 79-Jährige nie getroffen. „Wahrscheinlich sind die Ansprüche zu hoch. Ich hatte immer das Gefühl, sie lieben eigentlich nicht mich, sondern die Rolle, in der ich gerade bin.“ Seit zwei Jahrzehnten lebt sie als Single und sagt heute: „Das sind die schönsten Jahre meines Lebens.“

Am 21. November feiert Barbara Rütting ihren 80. Geburtstag. Doch sie will sich nicht zurücklehnen – ihr Platz im Leben könne sich ja immer wieder wandeln: „Ich würde mein Leben auch mit 99 Jahren total ändern, wenn ich merke, es geht in die falsche Richtung.“