Armin Rohde


Als Armin Rohde sich für die ARD-Dokumentation „Das Geheimnis meiner Familie“ auf Entdeckungsreise machte, ahnte er nicht, was ihn erwartete. Eigentlich auf der Suche nach seinem verschollenen Opa väterlicherseits, erfuhr der Charakterdarsteller („Kleine Haie“, „Lola rennt“, „Das Wunder von Lengede“) ein schockierendes Geheimnis: Sein Großvater mütterlicherseits war ein Nazi-Verbrecher, der als Polizist im Warschauer Ghetto an der Erschießung von 110 Juden beteiligt war. Totgeschwiegen in der Familie, kam der Schauspieler erst durch die Dokumentation auf die Spur dieses Mannes. Rohde hat für ihn keinen Namen mehr, er will ihn aus seiner Familie verbannen. Doch bevor er dies endgültig tut, spricht er noch einmal bei „Beckmann“ über seinen Vorfahren – und darüber, wie die Erkenntnisse sein Leben verändert haben.

Jahrzehntelang wurde in Rohdes Familie fast nie über seinen Großvater gesprochen. Bereits als Kind spürte der Schauspieler die angespannte Stimmung, wenn er doch einmal nach seinem Großvater fragte. Seine Mutter habe dann „sehr zurückhaltend bis beklommen reagiert“. So habe er sich mit vagen Antworten zufrieden gegeben, denn „als Kind hat man keine große Lust, am Familientisch Beklommenheit auszulösen“.

Armin Rohde sagt, sein Großvater sei damals nicht ein typischer Nazi-Mitläufer gewesen, sondern ein „Sadist“. „Dieser Mann, der mein Großvater war, hat sogar seine eigene Familie gequält. Er hat genug Macht über Menschen gehabt – Macht über seine Familie und über die Menschenleben, die er auf brutalste und sadistischste Weise vernichtet hat. Ich bin nicht bereit dazu, diesem Mann auch noch Macht über mein Leben einzuräumen.“

Rohde ist froh, dass er an seinen Großvater keine persönlichen – womöglich positiven –  Erinnerungen hat. Rohde war erst zwei Jahre alt, als sein Großvater starb. Es falle ihm leicht, die Distanz zu halten, da er ihn nie als liebevollen Großvater kennen gelernt habe. „Ich bin froh, dass ich nicht genötigt war, ihn irgendwann sympathisch gefunden zu haben. Dafür bin ich sehr dankbar.

Rohde hat seinen Großvater „ganz archaisch“ aus der Familie verbannt, wie er sagt. Heute könne er das Leid und das Verhalten seiner inzwischen verstorbenen Mutter verstehen, die ihren Mädchennamen nie mehr erwähnt haben wollte. „Meine Mutter tut mir unendlich leid, weil ich merke, welche Last sie ihr Leben lang mit sich getragen hat, ohne das jemals ihren Nächsten gegenüber aussprechen zu können.“