Anneliese Rothenberger
Anneliese Rothenberger

Anneliese Rothenberger


Sie gilt als erfolgreichste deutsche Opernsängerin nach dem zweiten Weltkrieg. Bereits Anfang der 60er Jahre hatte Anneliese Rothenberger alles erreicht: Ob Salzburger Festspiele, Metropolitan Opera in New York oder Mailänder Scala – Publikum und Kritiker lagen der Sopranistin zu Füßen. Vor allem ihre Mozart- und Richard-Strauss-Interpretationen setzen bis heute gültige Maßstäbe. Zur Überraschung aller begann die weltweit gefeierte Primadonna 1971 eine zweite Karriere. Als Gastgeberin der Fernsehshow „Anneliese Rothenberger gibt sich die Ehre“ erreichte sie Rekordeinschaltquoten und wurde zur populärsten Fernsehfrau der 70er und frühen 80er Jahre. Doch nach einer Krebserkrankung zog sie sich 1989 vollständig aus der Öffentlichkeit zurück. Bei „Beckmann“ gibt Anneliese Rothenberger jetzt ein ausführliches Interview und spricht über ihre Ausnahmekarriere und über ihr bewegtes Leben.

Die Sopranistin bedauert ihren Rückzug nicht. „Wenn man einmal gesagt hat, ich höre auf, dann ist das gültig. Dann soll man nicht immer wieder erscheinen. Die Leute sollen mich in Erinnerung behalten, wie sie mich gesehen haben in den früheren Sachen.“ Im Gegensatz zu anderen Kolleginnen sei sie finanziell abgesichert. „Es gab in meinem Beruf viele Männer, die eine Sängerin geheiratet haben und dann mit der Penunze abgehauen sind. Ich kann so weiterleben wie bisher.“

Anneliese Rothenberger lebt nach dem Tode ihres Mannes alleine in ihrem Haus in der Schweiz. „Ich habe ein großes Grundstück von 5000 Quadratmetern. Das Einzige, was mich da stört, sind die Rechnungen vom Gärtner: 24.000 Franken im Jahr – dafür kann ich ja ’ne Weltreise machen. Aber ich kann den Garten auch nicht vergammeln lassen.“ Einsam fühle sie sich nicht. „Ich habe sehr liebe Freunde, das ist wichtig. Viermal in der Woche gehe ich schön essen, und die anderen Abende koche ich mir selber. Mein Leben hat sich gut eingerenkt.“

Die 80-Jährige ist äußerst agil, hält sich fit mit Schwimmen und ist sehr humorvoll: „Yoga habe ich früher gemacht, aber dann habe ich aufgehört. Das soll man morgens um sieben Uhr machen – und da schlafe ich lieber.“ Immer noch fahre sie gerne und schnell Auto: „Ich fahre zügig und finde Schleicher viel schädlicher als die, die drauflos fahren. Über die kann ich mich schon aufregen: An der Ampel machen sie erst langsam den Gang rein, fahren dann ganz langsam los und unterhalten sich – und bei mir ist schon wieder gelb, wenn ich dran komme. Und dann schimpfe ich in meinem Auto!“

Aktuelle Operninszenierungen verfolgt Rothenberger nur noch am Fernsehbildschirm. „Ich gehe in keine Premieren mehr, das tue ich mir nicht mehr an. Das ist ja alles Schund, was man da heute sieht.“ Zwar sei sie sehr für Modernisierungen – „aber nicht so, dass es dem Komponisten und dem Librettisten weh tut!“ Als Glücksfall für die Klassik sieht sie die russische Sopranistin Anna Netrebko. „Sie ist außerhalb jeder Kritik, die Frau ist fantastisch.“