Marietta Slomka
Anne Will
Anne Will

Anne Will und Marietta Slomka


Sie sind Deutschlands populärste Anchorwomen. 2001 haben Anne Will und Marietta Slomka Ironie und ganz neue Töne in die Fernsehnachrichten gebracht. In diesem Jahr feiern beide ihr fünfjähriges Dienstjubiläum. Was viele nicht wissen: Die „Tagesthemen“- und die „heute journal“-Moderatorin können privat – trotz Quotenkampfes – ganz gut miteinander. Jetzt sind die First Ladies von Deutschlands beiden wichtigsten TV-Nachrichtenmagazinen erstmals gemeinsam in einer Talksendung. Bei „Beckmann“ sprechen Anne Will und Marietta Slomka über Nachrichtenalltag und Nachrichtendramen, über ihre Pannen und über ihre Versprecher und verraten, was sie aneinander schätzen.

Während Will und Slomka sonst auf dem Bildschirm um die Gunst der Zuschauer wetteifern, sitzen die Journalistinnen bei „Beckmann“ einträchtig nebeneinander. Nicht nur, weil die beiden beim Kopf-an-Kopf-Rennen ihrer Sendungen am Abend zuvor mit 4,08 Millionen Zuschauern (Will) und 4,07 Millionen (Slomka) fast quotengleich ins Ziel gegangen sind. Auch privat verstehen sich die Frauen bestens, wie Slomka verrät. „Konkurrenzdenken ist Quatsch. Die Fernsehlandschaft ist groß genug für uns alle.“

Die dem weiblichen Geschlecht häufig von Männern nachgesagte  „Stutenbissigkeit“ habe Will zwar erlebt, nicht aber bei ihren Kolleginnen an der Spitze der TV-Elite wie Slomka, Maybrit Illner, Sabine Christiansen oder Sandra Maischberger. „Da gibt es das nicht. Das ist wirklich schön, das finde ich immer großartig. Wäre das anders, würde das unser Leben und unsere Arbeit unendlich kompliziert machen.“

Selbst ins Partygetümmel stürzen sich die blonde ZDF-Frau und ihre brünette ARD-Kollegin hin und wieder gemeinsam – zuletzt am Rosenmontag. Karnevalsfest sind die beiden „Kölschen Mädels“ allemal, wie Will ihrer Kollegin bescheinigt. „Marietta ist ein echter Partylöwe.“ Slomka sieht in puncto Partytauglichkeit allerdings keinen Unterschied zu ihrer Kollegin. „Wir haben auch da die gleichen Quoten.“

Und es gibt noch etwas, was die Fernsehfrauen verbindet: Beide traten vor fünf Jahren den Moderatoren-Job bei ihren Nachrichtensendungen an – und beide zögerten erst, bevor sie das Angebot annahmen. Slomka empfand es fast wie einen Überfall, sie hatte nicht damit gerechnet.

„Ich war ein bisschen geschockt vom Angebot. Ehrlich gesagt habe ich entsetzt aufgeschrieen, als der Anruf kam.“

Auch Will brauchte eine gewisse Bedenkzeit. „Ich wollte nicht, dass sich alles auf mich konzentriert.“ Während ihres Volontariats hatte sie beobachtet, wie an einer Moderatorin rumgezubbelt wird. „Sie wurde geschminkt, Blätter werden noch kurz vor der Sendung gereicht – alles wirkte auf sie ein. Ich dachte: Furchtbar, dieser ganze Bohei. Eigentlich wollte ich rasendschnelle Radioreporterin werden.“

Seitdem mussten Will und Slomka den Fernsehzuschauern auch immer wieder Nachrichten präsentieren, die den souveränen News-Ladies zum Teil selbst sehr nahe gingen. Dass es Situationen in Sendungen gab, in denen ihr die Tränen kamen, daraus macht Will kein Geheimnis. „Dafür bin ich viel zu nah am Wasser gebaut.“ Slomka erlebte am Todestag von Countrylegende Johnny Cash solch einen bewegenden Augenblick, in dem ihr die Worte fehlten: „Da war die professionelle Funktionalität ausgehebelt. In dem Moment hat es mich irgendwie ein bisschen vom Stuhl gehauen.“