Anja Wille
Es ist der Alptraum aller Eltern, den Anja Wille am 30. Oktober 2004 erleben musste. Ihr achtjähriger Sohn Felix kam vom Spielen nicht nach Hause und blieb spurlos verschwunden. 70 Tage lebte die Mutter aus Neu-Ebersbach bei Bremen zwischen Hoffen und Bangen. Am 07. Januar 2005 wurde die Leiche des Jungen aus einem Fluss geborgen. Sein Mörder heißt Marc Hoffmann – der Mann, der bereits kurz zuvor wegen Mordes an der achtjährigen Levke verhaftet worden war. Das Landgericht Stade verurteilte ihn zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherheitsverwahrung. Zwei Jahre danach, geht Anja Wille wieder an die Öffentlichkeit und fordert bei „Beckmann“ mehr Schutz für Kinder sowie mehr Unterstützung für die Opfer von Gewaltverbrechen.
Die ausgebildete Krankengymnastin Anja Wille, die früher mit Schwerbehinderten gearbeitet hat, ist seit dem Tod ihres Sohnes arbeitsunfähig. „Diese Dimension an Leid ist ein Päckchen, welches ich nicht mehr mittragen kann. Das belastet mich emotional jetzt zu stark.“ Felix’ Kinderzimmer ist bis heute unverändert, auch wenn es sie schmerzlich an ihren Sohn erinnert. „Ich halte mich ungern dort auf, weil dann alles sehr dicht an mich ranrückt.“
Durch den Mord an ihrem Sohn verlor Anja Wille auch ihre finanzielle Existenzgrundlage. Vom Staat fühlte sie sich lange Zeit alleine gelassen. Sie bemängelt, dass Angehörigen von Opfern eines Gewaltverbrechens nicht besser unterstützt werden. „Das ist etwas, was mich massiv ärgert. Ich weiß, dass die monatlichen Aufwendungen für den Täter ungefähr 4000 Euro betragen. Und ich musste mich beim Versorgungsamt zwei Jahre lang um 150 Euro prügeln.“
Zunächst musste Anja Wille für ihre Therapie selbst aufkommen. Die Behörden hatten ihren Antrag auf Kostenübernahme mit einer für sie absurden Begründung zuerst abgelehnt: Ein Opfer, das mit der Presse spricht, kann gar nicht krank sein, habe man ihr mitgeteilt. Erst vor kurzem erhielt sie dann doch noch einen Bewilligungsbescheid.
Anja Wille plädiert bei „Beckmann“ für die Erstellung einer Kinderschänderdatei. Datenrechtliche Bedenken dürften kein Argument dagegen sein: „Ich habe festgestellt, dass Datenschutz zu oft ein Täterschutz ist.“ Die Sicherheit von Kindern müsse absoluten Vorrang besitzen. Durch ihren Gang in die Öffentlichkeit möchte Anja Wille anderen Betroffenen von Gewaltverbrechen Mut machen und etwas bewegen. „Ich freue mich zumindest, dass es mir jetzt wesentlich besser geht. Wenn ich nicht die Hoffnung hätte, dass sich etwas bewegen lässt, dann würde ich das alles auch nicht machen.“
