Angela Merkel
Es war ein ereignisreiches Jahr für Bundeskanzlerin Angela Merkel. Nach ihrer Wahl am 22. November 2005 glänzte sie bei ihren Antrittsbesuchen im Ausland, erntete als „mächtigste Frau der Welt“ internationalen Respekt und erlebte während der Fußball-WM unbeschwerte Wochen mit ungeahnten Sympathiewerten. Doch dann folgte Ernüchterung allenthalben: ein quälender Streit um die Gesundheitsreform, Haushaltslöcher, ewige Kompromissformeln – die Große Koalition mit Angela Merkel an der Spitze verlor rasant an Zustimmung. Jetzt scheint sich die Stimmung erneut zu wenden: Die Wirtschaft brummt wie lange nicht mehr, die Arbeitslosenzahlen sanken erstmals seit Jahren wieder unter die Vier-Millionen-Grenze, und die Hoffnung der Deutschen wächst. Bei „Beckmann“ zieht Angela Merkel ihre persönliche Bilanz über ihr erstes Amtsjahr und über das Jahr 2006.
Zuletzt hat Bundespräsident Horst Köhler gleich zwei Gesetze der Großen Koalition nicht passieren lassen. Den von der Opposition gegen die Koalition erhobenen Vorwurf der Schlamperei beim Verbraucher-Informationsgesetz weist Angela Merkel zurück. „Wir haben uns das sehr gut überlegt und viele Gutachten dazu gehabt“, sagt sie bei „Beckmann“.
Nach dem Aus für eine bundesweite Regelung beim Rauchverbot rechnet die Regierungschefin mit längeren Diskussionen zwischen den Bundesländern und plädiert für eine einheitliche Regelung: „Ich möchte keinen Flickenteppich haben.“ Im Gegensatz zu Restaurants sollten ihrer Ansicht nach in Kneipen und Bars Zigaretten weiterhin erlaubt sein. In allen öffentlichen Gebäuden, für die der Bund zuständig sei, möchte sie das Rauchen verbieten. „Das werden wir regeln“, kündigt die Kanzlerin bei „Beckmann“ an.
Merkel offenbart, dass sie zu Beginn ihrer politischen Karriere täglich eine Packung Zigaretten geraucht habe: „Damals waren noch 20 in der Schachtel.“ Da sie damals häufiger an Erkältungen litt, habe sie dann aufgehört. Der Verzicht sei ihr nicht schwer gefallen: „Es hat mich nie wieder gepackt.“
Die Bundeskanzlerin bekräftigt bei „Beckmann“, dass Deutschland keine Soldaten in den Irak entsendet wird. „Wir werden nicht in den Irak hineingehen.“ Die Lage sei „extrem schwierig“, wichtig sei, Iraks Nachbarländer in den Prozess der Stabilisierung mit einzubeziehen. Allein durch den Rückzug amerikanischer Truppen lasse sich die Situation nicht verbessern: „Der Abzug ist sicher nicht die Lösung“, sagt Merkel über die aktuelle Situation. Deutschland könne ihrer Ansicht nach bei der Ausbildung von Sicherheitskräften und beim zivilen Aufbau helfen.
Im Interview mit Reinhold Beckmann will Merkel den Irak-Krieg nicht als Fehler bezeichnen. „Tatsache ist, dieser Krieg hat leider stattgefunden.“ Sie hält es für falsch, dass Europa vor dem Irak-Krieg keine einheitliche Position vertreten habe.
Merkel, die normalerweise ungern über Privates spricht, gibt bei „Beckmann“ auch ein klein wenig über sich preis. Früher habe sie gerne im Kirchenchor gesungen und den Nachbarn am 1. Advent ein Ständchen gebracht. „Das fehlt mir manchmal“, sagt sie bedauernd. Heute „trällere“ sie nur noch beim Kartoffelnschälen oder Abwaschen.
Ihr Arbeitstag beginnt meist um 7.30 Uhr morgens, dann bereitet sie für sich und ihren Mann das Frühstück. Da sie oft unterwegs sei, bleibe für ihren Mann ohnehin noch genug im Haushalt zu tun. Ihren angeblich so fantastischen Pflaumenkuchen nennt sie selbst „ordentlich“ und wundert sich, dass er so oft gerühmt werde: „Den hat ja kaum jemand je gegessen.“
Etwas zerknirscht räumt Merkel eine kleine Schwäche ein. „Sport könnte ich mehr machen“ sagt sie und erzählt, dass sie immerhin im Urlaub versuche, ausgiebig zu wandern. Weihnachten will sie ausspannen: „Ich werde mich ausruhen, ausschlafen, lesen und ein bisschen bewegen.“ Als Festtagsessen gebe es Gänsebraten.

